Saturday, May 5. 2012
Jetzt ist er fertig, der Linoldruck. Als letzten Schritt muss der Künstler nun noch drei Dinge tun:
- Er muss jeden einzelnen Abzug signieren
- Er muss jeden einzelnen Abzug nummerieren
- Er muss jeden einzelnen Abzug titulieren
Der Abzug ist das einzelne, durch den Linoldruckprozess entstehende Blatt, die Gesamtzahl der Abzüge nennt man "Auflage". Die Höhe der Auflage zu bestimmen, kann der Künstler selber. Bei Hochdruckgrafiken liegt die Auflage meistens zwischen 20 und 100 Abzügen. Weil ich alle Abzüge als Handdruck herstelle, beschränke ich mich meistens auf 20 bis 30 Exemplare. Bei verlorenen Schnitten werden die Abzüge, die dann nicht schön sind, einfach abgezogen, so dass ich auch schon mal auf krumme Werte komme. Die Limitierung der Auflage kann ja auch eine Wertfeststellung sein: Je niedriger die Auflage, desto wertvoller ist der Abzug.
Sind die Abzüge einer Auflage und die begleitenden Probe- und Künstlerabzüge hergestellt, ist es üblich, die Platte unbrauchbar zu machen. Die handgeschriebene Unterschrift unter einem Werk des betreffenden Künstlers verbürgt, dass es sich um ein Original handelt. Für die Signatur wird meistens Bleistift verwendet, weil eine Bleistiftsignatur nur schwer wegzuradieren oder zu verändern ist, ohne dabei die Papierfasern zu beschädigen. Die Signatur wird üblicherweise in der unteren rechten Ecke angebracht. Der etwaige Titel der Grafik steht in der Mitte.
Die Auflage wird der Druckfolge nach durchnummeriert und enthält immer auch die Gesamtzahl. Ein Linoldruck, der die Nummerierung "15/35" trägt ist der 15. Druck aus einer Auflage von 35. Es gibt Sammler, die spezielle Abzüge sammeln, beispielsweise immer den elften. Die Nummerierung wird üblicherweise in der unteren linken Ecke des Abzuges vermerkt.
Wenn man will, kann man seine Drucke danach noch rahmen. Dazu benötigt man einen Bilderrahmen sowie ein Passpartout aus alterungsbeständigem Karton. Der Ausschnitt sollte dabei so gross sein, dass die Unterschrift und die Nummerierung zu sehen ist.
Wednesday, May 2. 2012
Lichtmalerei mit Kamera, Taschenlampe sowie dem Firestick haben mein Sohn Manuel Graf und meine Wenigkeit am Vorabend des Ersten Mai ausprobiert. Nach Einbruch der Dunkelheit haben wir statt der üblichen Späßeken zur Freinacht künstlerisch gearbeitet. Na ja, oder so ähnlich.
Genauer gesagt haben wir uns mit einer Digital-Kamera mit Stativ bewaffnet, die Belichtungszeit auf zehn bis 20 Sekunden eingestellt und mit Firestick (also dass, was die Feuerspucker verwenden - Manuels Ding, nicht meines) sowie mit einer Taschenlampe mit farbigen Aufsätzen Bilder in die Luft gemalt. Wegen der langen Belichtungszeit sind wir selber beim Lichtmalen überhaupt nicht zu sehen - nur die Lichter die die Leutelemente ziehen, bannt die Kamera auf den nicht vorhandenen Film.
Bei dem grossen Bild gut zu sehen sind die Leuchtspuren, die die an beiden Enden mit Petroleum brennenden Feuerstäbe in der Dunkelheit hinterlassen. Die blauen Streifen sind von mir, der ich durchs Bild laufe, die Taschenlampe mit entsprechendem Aufsatz schwenkend.
Das ganze ist bei uns im Innenhof der Wohnanlage entstanden, die Hintergrundlichter sind die beleuchteten Fenster der Nachbarn - oder die Lichter der Innenbeleuchtung des Hofes. Im feuchten Gras spiegelt sich das Licht der Taschenlampe, wenn wir es direkt angeleuchtet haben.
Wir sind dann umgezogen und haben noch ein paar Lichtmal-Experimente in anderer Umgebung versucht:
Ein paar Bilder, die ich sehr faszinierend fand, als wir uns auf die Dachauer Strasse gestellt haben und die hell erleuchtete Stadt der Nacht mit unseren Licht-Graffiti beschrieben haben. Unsere Tags waren ausschliesslich virtuell, denn schon nach wenigen Sekunden verschwunden, und nur von unserer Kamera in ein Bild gebannt und aus der Virtualität in die Realität gebracht.
Die Spuren, die ein Mensch in einer Stadt hinterlässt sind eben selten für längere Zeit bleibend. Und das Gesicht der Menschen bleibt darüber hinaus anonym. Die Spuren sind zu sehen, die Menschen nicht:
Sunday, April 29. 2012
nach dem Konturendruck ist der Linoldruck des Fisches aus dem Roten mehr eigentlich fertig. Deutlich zu sehen ist, wie viel Tiefe die Konturen-Druckplatte dem Abzug verleiht. Das Bunte rückt in den Hintergrund, der Fisch bekommt seine zusammenhängende Gestalt durch die dominante schwarze Farbe.
Thursday, April 26. 2012
Die Konturen-Druckplatte bestimmt letztlich, ob ein Linoldruck gelungen ist oder nicht. Bevor diese Platte nicht gedruckt ist, kann der Künstler auch nicht sehen, wie erfolgreich er die vergangenen Tage oder Wochen gearbeitet hat. Insoweit ist dieser Druck-Durchgang für mich auch der allerspannendste.
Der Ablauf ist hier exakt genauso, wie schon bei den vorangegangenen Druck-Durchgängen:
- Zunächst wird ein Abzug auf den Tisch gelegt
- Die Konturen-Druckplatte wird gleichmäßig eingefärbt. Es wird dabei darauf geachtet, dass auf den schmalen Stegen des Schwarzlinien-Drucks nicht zu viel Farbe steht. Diese muss man gegebenenfalls abnehmen.
- Die Druckplatte wird nun mittels der gedruckten Passermarkierungen auf den liegenden Abzug angepasst und leicht angedruckt
- Druckplatte und Papier werden nun gemeinsam um 180 Grad gedreht
- Das nun oben liegende Papier wird mit einer Andruckwalze oder einem Filzreiber kräftig gegen die unten liegende Druckplatte gepresst
- Der Abzug wird zur Kontrolle des Druckergebnisses nur teilweise abgehoben. ist der Druck ungenügend stark, muss gegebenenfalls nochmal kräftig nachgepresst werden oder zuvor gar der Teil der Druckplatte nochmal vorsichtig eingefärbt werden
Im Bild zu sehen ist der bis dahin fertig gestellte Mehrfarben-Linoldruck und die schwarz eingefärbte Konturendruckplatte (Ein Klick auf das Foto vergrößert dieses, wie auch bei den anderen Bildern)
Monday, April 23. 2012
Nachdem ich die Korallen-Druckplatte mehrmals hinter- und übereinander gedruckt habe, ist nun die Schmuckfarbe dran.
Die Korallen haben zunächst ihre bunte Farbe über den blauen ersten Druckdurchgang erhalten und konnten danach trocknen. Nun färbe ich (wieder mit einer kleinen Farbwalze) die Linoleumplatte an - genauer gesagt: die später druckenden Teile. Passermarken muss ich nicht mit einfärben; es genügt schließlich, dass diese Druckplatte exakt auf dem papier anliegt. Dazu lege ich der Reihe nach jeden einzelnen Abzug der Auflage auf den Tisch und platziere dann die Druckplatte für die Schmuckfarbe möglichst exakt darauf. Danach wird sie von der Rückseite leicht angedrückt. Anschließend drehe ich Papier und darauf liegende Druckplatte um. Dadurch kommt die Druckplatte mit der Rückseite auf dem Tisch zu liegen und das Papier auf ihr. Dieses kann ich nun wie gewohnt mit Walze oder Reiber gegen die Druckplatte pressen.
Weil Platte und druckende Teile relativ klein sind, entscheide ich mich für den Filzreiber. Das verhindert, dass das Papier auf der kleinen Linol-Druckplatte verrutscht. Danach lasse die gedruckten Abzüge wieder einen Tag lang trocknen, bevor es an den Konturen-Druck geht.
Sunday, April 22. 2012
Dieser Holzschnitt versucht das Geheimnisvolle herauszuarbeiten, das jede Frau ausmacht. Vordergründig ist es nur der Linienschnitt einer liegenden Frau, nur unzureichend beleuchtet, so dass nur ihre Konturen erkennbar sind. Das mache ich aber bei vielen meiner Akt-Holzschnitte und erotischen Linolschnitte.
Bei diesem Schnitt ist auch das Gesicht im Dunkeln, die Frau geheimnisvoll und nur unvollständig erahnbar - also: wie jede Frau.
"Rätsel Frau", Holzschnitt auf Papier, 450x280 mm, Künstlerdruck, Handabzug, nummeriert und signiert, 50 Exemplare, 75 Euro
Friday, April 20. 2012
ich bin ja ein fauler Mensch. ich hätte ja auch zehn Druckstöcke mit zehn Linoleum-Druckplatten zeichnen und schneiden können und sie nacheinander drucken. Ich hätte aber auch eine einzige Linoleumplatte unterschiedlich einfärben können und mir die ganze Arbeit sparen.
Ratet mal, wofür ich mich entschieden habe.
Die unterschiedlichen Farben sind für unterschiedliche Korallen, getrennt auf dem Druckstock jeweils durch die geschnittenen weißen Linien. Da muss man zwar exakt arbeiten (ich verwende dazu zwei sehr kleine Druckwalzen und putze lieber an der einen oder anderen Stelle einen Fleck falsche Farbe weg), dafür geht es hinterher aber doch recht schnell.
Puzzle-Druck sagt man übrigens dann dazu, wenn man eine Druckplatte in mehrere Teile schneidet, sie unterschiedlich einfärbt, wieder zusammensetzt und dann auf einmal druckt. Das habe ich genau genommen nicht gemacht. Ist aber auch egal. Ihr habt das Prinzip verstanden....
Tuesday, April 17. 2012
Ich kaufe mir immer ein Mindestmaß an Farben und mische mir selten gerauchte Farben lieber selber zusammen. Orange beispielsweise und helle Rottöne brauche ich selten. Aber wozu gibt es Rot und Gelb? Hier sieht man, wie ich helles Rot anmische - zusammen mit dem Schmincke-Transparenz-Mittel, um beim Überdrucken besondere Effekte zu erzielen. Wenn ich das Gelb auf das bereits gedruckte Blau drucke, dann entsteht zum Beispiel Grün. Gut sind solche Mischungen bei Auflagendrucken. Da kann man beispielsweise mit einem dunkleren Rot anfangen und Abzug für Abzug immer mehr Gelb beimischen, bis man schliesslich das richtige Farbverhältnis gefunden hat.
Achtung: Wasserlösliche Linoldruckfarben wirken gedruckt auf dem Papier, wenn sie trocken sind, in der Regel dunkler als direkt aus der Flasche. Aber das ist ja das schöne am Drucken: man kann immer wieder einen Abzug herstellen, bis man das richtige Farbverhältnis gefunden hat ....
Saturday, April 14. 2012
Die einfachste Art, die fertigen Abzüge trocknen zu lassen ist, sie einfach nebeneinander auf den Fussboden zu legen. Bei größeren Auflagen geht einem aber schnell der Platz aus. Ebenso, wenn man großformatige Drucke produziert, so wie ich manchmal.
Deswegen habe ich mir ein Stahlseil unter die Decke montiert (gibt es samt Haken mit Klammern dran bei Ikea). So kann ich platzsparend größere Mengen von Abzügen aus dem Weg räumen und bequem einen oder zwei Tage trocknen lassen.
Das ist zwar eigentlich nicht nötig - aber uneigentlich manchmal eben schon. Zum Beispiel, wenn man mal zu fett gedruckt hat, braucht selbst die anspruchslose Linoldruckfarbe ihre 24 Stunden (oder länger), um komplett trocken zu werden.
Zum Aufhängen unter die Decke nehme ich übrigens einfach einen Stock, in den ich an einem Ende waagrecht einen Bilderhaken getrieben habe:
- Klammer an den Abzug
- Bilderhaken am Stock in den Rundhaken an der Klammer einhängen
- an das Stahlseil unter der Decke bugsieren und den Bilderhaken aus dem Rundhaken rausfummeln, während er am Seil hängt
Fertig. Fürs Abhängen spare ich mir aber einen eigenen Kursteil....
Wednesday, April 11. 2012
Jetzt erfolgt der erste Druckdurchgang. Ich habe ausreichend Farbe auf der Druckplatte angemischt, walze aber immer nur einen Teil aus. Wenn ich länger zum Drucken brauche, dann spritze ich ab und an ein paar Tropfen Wasser auf und mische das Ganze wieder mit dem Spachtel oder verwalze die Farbe mit der Farbwalze.
Aufpassen muss man, dass keine Haare, angetrocknete Farbbröckel oder von der Linoldruckplatte abgebrochenen Teile von Linoleum in die Farbe geraten. Wenn doch, dann werden sie mit dem Spachtel entfernt.
Die Farbe wird gleichmässig auf die Linoleum-Druckplatte aufgetragen. Dabei achte ich darauf, dass ich in mehrere Richtungen hin und herrolle, dass alle Teile der Druckplatte gleichmäßig eingefärbt sind und dass ich vor allem die Passermarken nicht vergesse. Farbflecken auf den nichtdruckenden Teilen der Druckplatte entferne ich gleich. Am besten mit einem trockenen (!) Stofftuch. papier eignet sich nicht - das fusselt. Und wer sich einmal darüber geärgert hat, wie eine noch-nicht-ganz-trockene Druckplatte auch da Farbschlieren hinterlassen hat, wo eigentlich blütenweisses Papier hätte sein sollen, der wird seinen Putzlappen nie mehr anfeuchten.
Ist die Druckplatte eingefärbt, wird ein bereitgelegtes Papier darüber gelegt und mit einer zweiten (sauberen) Walze oder mit einem Filzreiber angedrückt. Man muss stark drücken aber gleichzeitig darauf achten, dass man nicht ZU stark drückt, weil man sowohl den Abzug beschädigen kann als auch die Linoleumplatte. Gerade, wenn es sehr feine Linien sind, die gedruckt werden sollen, eignet sich ein Filzreiber (das ist ein fetter Holzstempel, auf den untendick Filz aufgeklebt ist) am besten.
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