Friday, November 11. 2005
In Berlin bei Johann König ausgestellt: Der Künstler Manuel Graf (mit mir ziemlich unverwandt) mit seiner Installation Ping Pong
Aus der Pressemitteilung:
„Ping Pong“ führt als bildreiches Konvolut Gedanken fort, die zuvor schon die Videoarbeit „1000 Jahre sind ein Tag“ (2004) geprägt haben. War es bei der älteren Arbeit ein Film, in dessen Zentrum Architekturen diverserer Epochen standen, die sich in einem Kontinuum von Veränderung und Zitat befanden, so lädt Manuel Graf diesmal zu einem installativen Parcours ein. Das tut er, indem er den zeitgenössischen Galerieraum in seiner Eigenschaft als institutionelle Errungenschaft der Moderne unter Zuhilfenahme der Mittel Skulptur, Film, Lichtdramaturgie und Musik als Projektionsfläche mit einer Art bilderisch-installativen Geschichtsentwurf konfrontiert.
Beim Betreten der Galerie werden die Besucher bei güldenem Licht mit einem bühnenartigen Aufbau konfrontiert. Auf einem hellen Teppich, der die Installation von dem Galerieraum teilt, steht auf einem kniehohen möbelartigem Sockel eine Skulptur aus Gips. Diese besteht aus drei aneinander anschließenden zellenartigen Volumina, die zusammengenommen ebenso Architekturmodell sein könnten als auch addierte Gipsabdrücke menschlicher Körperteile. An der Wand über der Skulptur wird ein Film projiziert, der unterschiedliche Architekturen in abgewandelter Form zeigt. Im Gegensatz zu der Expressivität des Skulptur werden hier vor allem durchkonstruierte Computerbilder gezeigt.
In den Sequenzen des Filmes werden zwei Architekturen mit möglichen postmodernen Variationen gezeigt: Das Gipsmodell des um 1910 realisierten Goetheanum von Rudolf Steiner und der zeitgenössische Entwurf Arc of the world 2005 von Greg Lynn. Eine virtuelle Kamerafahrt führt zudem durch ein weiteres amorphes Gebilde hindurch - es ist die fiktive Realisierung von Friedrich Kiesslers Endless House von 1959. Der „Flug“ durch Kiesslers Entwurf führt sodann an einer Stelle unter den Klängen von „Its the return“ der Gruppe Antipopkonsortium rückwärts durch die Architekturen (und damit verschiedene Epochen) zurück und „landet“ am Anfang, bei dem Goetheanum. Als Abspann des Filmes klingt Musik von Eloy aus während gleichzeitig ein Licht angeht, das einen übermächtigen, expressionistischen Schattenumriss der Gipsskulptur an die White-Cube-Wand projiziert. Nun beginnt der Loop von vorn und zu hören ist wieder das Ping-Pong-Ball Geräusch vom Beginn.
Zeitgenössische Modelle (und damit wohl auch Utopien), die bis in das Jahr 2005 datieren und sich jeweils als fortschrittsorientiert verstehen können, führen in der Installation zurück auf die Jahre um 1900 und noch davor: Auf die die Wissenschaftsmethodik seiner Zeit infrage stellende Pflanzenlehre Goethes zum Beispiel. Die Entwürfe machen auch Station im Jahr 1959 bei Friedrich Kiesslers Idee vom Endless House, das im Film gar wie eine Zeitschleuse wirkt. Resultat ist ein Hin und Her, ein Ping Pong also, welches zwei Richtungen von Zeit und Ort beschreibt. Der Ball wechselt den Ort, wird zurückgespielt, ist damit am alten Ort und der gleichen Handlung, aber in einer anderen Zeit. Das Vorwärts kann genauso ein Rückwärts der Geschichte sein und trotzdem ein Vorwärts. Und so weiter.
Zu sehen noch bis zum 20. November - also Beeilung. ( danke ans Kunstblog
|