
Die Ausstellung »Die Stadt hat Augen« in Berlin verfolgt ein einzigartiges Konzept: Ein Bürogebäude am Potsdamer Platz wird zum schauenden Objekt. Auf der Licht- und Medieninstallation SPOTS werden noch bis 26. Februar 2006 Arbeiten von international bedeutenden Künstlern gezeigt, die diese speziell für diesen Ort und dieses Medium neu entwickelt haben. »Die Stadt hat Augen« ist eine thematische Ausstellung in mehreren Kapiteln. Sie beschäftigt sich mit der Möglichkeit, dass die Stadt mit ihren Gebäuden, ihrer Infrastruktur und ihren Medien selbst zum schauenden Objekt wird. Das Gebäude Potsdamer Platz 10, das zu den Park Kolonnaden der HVB Immobilien AG gehört, erhält damit eine kommunikative Membran und wird quasi zur Open-Air-Galerie.
Gebäude teilen sich mit: Über ihre Architektur und - als Teil des architektonischen Konzeptes - über ihre Fassaden. Während die Glasfassade ein Bauwerk lediglich transparent macht, geht die Medienfassade noch einen Schritt weiter. Sie wird zur Mittlerin zwischen Struktur und Außenraum. An den Park Kolonnaden am Potsdamer Platz 10 ist mit SPOTS eine der weltweit größten Medienfassaden zu sehen. Für den Zeitraum von 18 Monaten wird die elf Stockwerke hohe Hauptfassade des Bürokomplexes zum Träger künstlerischer Licht- und Medieninstallationen.
05.02.2006 - 26.02.2006 Carsten Nicolai »SENSOR«:
Die Licht- und Medienfassade SPOTS präsentiert ab dem 5. Februar 2006 die Arbeit »Sensor« von Carsten Nicolai. »Sensor« ist Teil der Ausstellung »Die Stadt hat Augen« , die seit dem 24. November 2005 in wechselnder Folge Arbeiten international renommierter Künstler zeigt, die sich mit der Möglichkeit auseinander setzen, dass die Stadt zum Beobachter des urbanen Lebens wird. Zu den ausstellenden Künstlern zählten neben Jim Campbell, Rafael Lozano-Hemmer und realities:united mit John deKron. Kurator der Ausstellung ist Dr. Andreas Broeckmann, Leiter der transmediale, dem größten Festival für Kunst und digitale Medien in Deutschland. Die Arbeiten werden präsentiert von SPOTS, einer der weltweit größten Licht- und Medieninstallation. Die Licht- und Medienfassade ist eine Initiative der HVB Immobilien AG und wurde von den Architekten Tim und Jan Edler von realities:united entworfen, die mit der Konzeption für die Medienfassade BIX am Kunsthaus Graz international bekannt wurden. SPOTS besteht aus einer Lichtmatrix mit 1.800 Leuchtstofflampen auf einer Fläche von 1.350 Quadratmetern, die von einem zentralen Computer individuell gesteuert werden können. Die Idee zur Licht- und Medienfassade stammt von Marc Fiedler, Cafè Palermo Pubblicitá. »Sensor« setzt sich mit der Bewegung, Dichte und Frequenz des Stadtraums auseinander und visualisiert die permanenten Veränderungen durch Umweltsensoren in der Fassade. Die Sensoren beobachten den Potsdamer Platz und reagieren unmittelbar auf Umwelteinflüsse wie Besucherdichte, Tageszeit, Helligkeit und Lautstärke sowie Lautstärkendynamik und können verschiedene Infrarotsignale empfangen. Die verschiedenen Daten, die die Sensoren empfangen und weiterleiten, werden von der Software in Lichtzeichen übersetzt und bestimmen die Überlagerung der Lichtverläufe, die wie komplexe Wellenmuster über die Fassade ziehen. Es entstehen Lichtmodulationen, die die Fassade zum Spiegelbild der Stadt werden lassen. Carsten Nicolai sagt dazu: »An einem Ort wie dem Potsdamer Platz gibt es extrem viele Reize - vorbeifahrende Autos, das sich in den Scheiben der umliegenden Häuser brechende Licht sowie tausende von Menschen, die täglich hierher kommen, um zu arbeiten, einzukaufen ,oder Berlin besuchen. Diese vielfältigen Umwelteinflüsse machen den Potsdamer Platz zum idealen Ort für 'Sensor'«.
24.11.2005 - 11.12.2005 realities:united und John deKron »SKALA«:
Den Anfang machte die Arbeit »Skala« des Kunst- und Architekturbüros realities:united . Tim und Jan Edler überlagern dabei gemeinsam mit John deKron die repräsentative Architektur des Potsdamer Platzes mit Bildern einer privaten Wirklichkeit. »Skala« setzte sich mit der Frage auseinander, wie medial gestaltete Gebäudeoberflächen und deren Bilder die Gestaltungsmöglichkeiten von Architektur erweitern und den öffentlichen Raum verändern können.
13.12.2005 - 08.01.2006 Rafael Lozano-Hemmer»33 Questions per Minute«:
Was ist das Leben? Wer bin ich? Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Wer seine ganz persönliche Frage auf einer riesigen Medienfassade sehen möchte, konnte sich ab 13. Dezember 2005 am Projekt »33 Questions per Minute« (33QPM), Relational Architecture 5 , des mexikanischen Künstlers Rafael Lozano-Hemmer beteiligen und Teil eines interaktiven Kunstwerks sein. Passanten konnten Fragen, die sie beschäftigen, in ein Terminal eingeben, das in Sichtweite der Licht- und Medienfassade SPOTS installiert war. Bei »33QPM« wurden pro Minute 33 Fragen angezeigt. Wenn gerade keine Frage am Terminal eingegeben wurde, rief der Computer die Fragen selbst aus einem schier unendlichen Fundus an Satzfragmenten auf und vermischte menschliche Neugier mit pur maschineller, oft unsinniger Wortkombination. 55 Milliarden Fragen in Deutsch, Englisch und Spanisch konnte das Programm, das von Rafael Lozano-Hemmer zusammen mit dem Programmierer Conroy Badger und den deutschen Sprachwissenschaftlern Stephan Klinger, Sakrowski und Till Braband entwickelt wurde, generieren. Alle möglichen Fragesatzkombinationen abzuspielen, würde 3.000 Jahre dauern. Lozano-Hemmer sagte dazu: »33QPM ist ein Projekt, das maschinelle Ironie darstellt. Unerschöpfliche grammatikalische Algorithmen unternehmen einen romantischen aber aussichtslosen Versuch, Fragen zu stellen, die noch nie gestellt wurden. Die Wörter werden elektronisch kombiniert und bilden zufällige Verknüpfungen mit völlig ungleichen Erfahrungsebenen.«
10.01.2006 - 01.02.2006 Jim Campbell »Gait Studies in Low Resolution «:
Ab dem 10. Januar 2006 präsentierte "SPOTS" das Werk »Gait Studies in Low Resolution« von Jim Campbell. Der 1956 in Chicago geborene Medienkünstler hatte für die Fassade mehrere figurative Sequenzen entwickelt, die Menschen in verschiedenen Bewegungen und Situationen darstellten und in täglich wechselnder Folge zeigten. Verstärkt wurden die visuellen Effekte der Bespielung durch eine getönte Plexiglasscheibe, durch die hindurch Passanten die Arbeit des Künstlers betrachten konnten. Beim Blick durch die Scheibe, die auf dem Potsdamer Platz am südlichen S-Bahn-Ausgang aufgestellt war, verschmolzen die Pixel der Fassade zu einem homogenen, leicht verschwommenen Bild. Jim Campbell arbeitet seit mehreren Jahren mit grobpixeligen Bildern und spielt mit den ästhetischen Widersprüchen zwischen niedriger Auflösung und der Diffusion elektronischer Bilder. Seine Arbeiten werden charakterisiert durch das perfekte Zusammenspiel von Technologien und ihren visuellen Effekten. »Das grobe Raster der Leuchtstofflampen und die niedrige Auflösung machen SPOTS zu einem idealen Trägermedium für meine Kunst. Die außergewöhnliche Dimension der Fassade bietet eine einzigartige Projektionsfläche, um 'Gait Studies in Low Resolution' an einem der spannendsten Plätze Berlins zu präsentieren«, sagte Jim Campbell.
Quellen:
iBusiness Ekiosk
http://www.spots-berlin.de
http://www.realities-united.de