Das Archiv der Ars Electronica mit über 30.000 digitalen Kunstprojekten soll aufgearbeitet, neu kategorisiert und zugänglich gemacht werden.
Die Ars Electronica besteht seit 1979. In dieser Zeit sammelten sich im Archiv der Ars Electronica Dokumentationsmaterialien zu mehr als 30.000 digitalen und Medienkunstprojekten, die beim Festival gezeigt wurden, und künstlerische Arbeiten, die zum Prix eingereicht wurden, an.
Das Archiv bietet damit einen einzigartigen Querschnitt der digitalen Kunst und der Medienkunst und einen Überblick über die technologischen Entwicklungen elektronischer Medien des vergangenen Vierteljahrhunderts.
Zur Aufarbeitung dieser umfassenden Sammlung wurde vor einigen Monaten das neue
Ludwig-Boltzmann-Institut Medien.Kunst.Forschung gegründet. Es soll Forschung in der Entwicklung von Dokumentations-, Beschreibungs- und Aufbewahrungsstrategien für digitale Kunstwerke und Medienkunst leisten. Die Forschungseinrichtung wird von einem Partnerkonsortium bestehend aus der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft, der Kunstuniversität Linz, der Ars Electronica und dem Lentos Kunstmuseum Linz getragen.
Derzeit sind Institutsleiter Dieter Daniels und sein Team dabei, die Bestände zu sichten, darauf aufbauend sollen in den kommenden Monaten die Forschungsschwerpunkte des neuen Instituts erarbeitet werden. Ein möglicher Schwerpunkt könnte das Thema Interaktivität sein, so Dieter Daniels. Interessant sei dabei, das Credo der Interaktivität in der Kunst in Relation zur Entwicklung interaktiver Alltagsmedien zu stellen.
Ein wichtiger Aufgabenbereich des Ludwig-Boltzmann-Instituts Medien.Kunst.Forschung wird auf jeden Fall sein, sich mit der wissenschaftlichen Beschreibung digitaler Kunstwerke im kunsthistorischen Kontext zu beschäftigen.
Dafür wird es auch notwendig sein, irgendeine Art von Kategorien zu schaffen, die die Erforschung von Entwicklungen und Zusammenhängen möglich machen. Gerade im Bereich der digitalen Kunst sei das jedoch schwierig, so Dieter Daniels.
Deutlich wird das Problem bereits an den Kategorien des Prix Ars Electronica. Einerseits führten die technischen und künstlerischen Entwicklungen dazu, dass immer wieder neue Kategorien eingeführt wurden, wie Digital Communities und Net Vision. Andererseits wurde zum Beispiel die von Beginn an existierende Kategorie Computermusik 1999 auf Anregung des Jurymitgliedes Naut Humon in digital musics umbenannt, um dem medialen und kulturellen Wandel gerecht zu werden.
Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Frage, wie digitale Kunst und Medienkunst für die Nachwelt erhalten werden kann. Durch den raschen technologischen Wandel bei Hardware und Software, Datenformaten, Speichermedien und Abspielgeräten können digitale Kunstwerke oft schon nach wenigen Jahren nicht oder nicht mehr zufriedenstellend vorgeführt werden.